Vier Fragen hat das Krimitage-Team jedem Autor vorgelegt.

Stefan Slupetzky. Foto: Julia Maetzl Oliver BottiniWolke de Witt Maeve Carels
Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Sie hätten das Zeug dazu: schließlich können sie sich ihrer Feinde ganz legal entledigen. Aber irgendwann kippt das Hobby ins Professionelle, Auftragsmord folgt auf Auftragsmord, und das führt auf die Dauer zu leisen inneren Spannungen. Nein, das glaube ich nicht - zumindest trifft es auf mich nicht zu. Das Schreiben ist permanent begleitet von Unruhe, Zweifel, Aufs und Abs ...Selbstverständlich, das sieht man ja an mir.Wenn ich ausgeglichen wäre, würde ich höchstens Weihnachtskarten schreiben
Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?
Meistens Genugtuung.Ich empfinde immer starke Empathie mit meinen Figuren, aber eher mit denen, die zurückbleiben, als mit denen, die sterben. Meist etwas zwischen Bedauern und Erleichterung, bisweilen Genugtuung.
Viel. Wenn es mir nicht an die Nieren geht, spar ich mir die Mühe, es aufzuschreiben.
Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Es beginnt mit dem Kaffee. Dann leere ich den Aschenbecher in den Müll und zünde mir die erste Zigarette an, um ihn sukzessive wieder zu füllen. Danach geht's ans Schreiben.Nein, eigentlich nicht. Vor und nach dem Schreiben schon: Ins Café gehen, Freunde treffen.Ab ans Wasser, Heavy Metal ins Ohr, Laptop auf die Knie.Morgens aufstehen. Jedenfalls war das so, bevor Gott den Laptop schuf.
In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Alle meine Teddys gehören längst meinen Kindern.Ich habe keinen Teddy und auch sonst keine Stofftiere. Gehören die nicht in die Kindheit? Da meine Teddys sich noch darüber in den Haaren liegen, wer mein Favorit ist, kann ich zu dieser Frage derzeit keine Stellung nehmen. Wer auf sein Leben Wert legt, lässt die Finger von meinem Teddy.

 

    
Vier Fragen an:

Gisa Klönne. Foto: Michael Haus

Ulrike BarowSandra LüpkesRegula Venske
Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Das kann ich so pauschal nicht sagen. Einerseits bist die literarische Beschäftigung mit Verbrechen ja Thrillerstoff genug. Andererseits schreibt ein Buch sich nicht von allein. Und Stress führt nicht immer zu einem ausgeglichenen Gemüt ...
Das Wissen, dass man besonders üble Zeitgenossen des täglichen Lebens in seinen Krimis wiederverwerten kann – wie auch  immer – hat schon etwas Beruhigendes. Ansonsten sollten Sie meine Familie fragen, ob ich das Leben in den letzten vier Jahren gelassener gesehen habe.Ich kann nur von mir sprechen: Seit ich Krimis schreibe, bin ich mutiger geworfen, konfliktfähiger, selbstbewusster - und das alles trägt ja auch zur Ausgeglichenheit bei. Tatsache ist auch: Je ruhiger es in meinem Leben wird, desto heftiger knallt es in meinen Stories ...Ich glaube, ja. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber im allgemeinen sind Krimiautoren ein erstaunlich heiteres Völkchen und auf jeden Fall lebenslustiger als die Poeten.
Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?
Mitleid. Bedauern. Manchmal auch Erleichterung. Kommt darauf an, wie sympathisch mir eine Figur ist. Und wie viele Verbrechen sie selbst begangen hat.
Manchmal eine diebische Freude, wenn ich besonders üble Charaktere beerdigen darf, manchmal aber auch Bedauern. Aber es nützt ja nichts!Kommt drauf an: Wenn der Bösewicht seine gerechte Strafe bekommt, bin ich auch mal schadenfroh - dies passiert aber nur, wenn der Krimi ohnehin schwarzhumorig daherkommt. Doch meistens haben meine Geschichten einen ernsten Ton, und dann geht es mir schon nahe, wenn die Menschen, die ich zum Leben erweckt habe, selbiges lassen müssen.Kommt drauf an, wen es trifft. Die Gefühle reichen von böser Befriedigung ("Jetzt wird er abserviert") bis hin zu Trauer und Wehmut ("schade, aber es geht nun mal nicht anders").
Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Nein, aber die Grundvoraussetzung ist Ruhe und Konzentration. Ich schreibe am besten in meinem Arbeitszimmer. Ideen skizziere ich oft per Hand. Dazu ist mir ein handliches Notizbuch mit gutem Papier sehr wichtig. Und mein Füller. Nein.Nein, ich kann eigentlich fast immer und überall loslegen. Am besten schreibt es sich meiner Meinung nach im Zug.Eigentlich nicht, sobald das grüne Lämpchen blinkt, geht es los. (Wichtig ist nur, was den Arbeitsplatz angeht, dass ich einen Blick in den Himmel habe, alle meine Schreibtische haben mit Richtung zum Fenster gestanden. Aber natürlich kann man auch mal in einem Hotelzimmer vor der Schrankwand landen...)
In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Irgendwo in einem meiner Bücherregale sitzt noch ein Teddy aus meiner Kindheit. Ich würde ihn als Trostspender weggeben. Wenn ein Kind sehr traurig wäre oder verletzt oder krank ...
Lieblingsteddys SB (SB = Sammelbegriff. Steht auch für zwei Enten, eine Wanderratte, ein Schweinchen…) werden NIEMALS weggegeben. Seitdem wir das Futtergeld für sie bezahlt haben, sind sie vollwertige Familienmitglieder mit – ich gebe es zu – oft sehr eigenwilligen Charakteren.
Und Sie würden schließlich auch nicht ihre Mutter weggeben. ODER?
Wenn ich als Kind ein Stofftier im Bett hatte, habe ich immer geträumt, der Kettenhund gegenüber dem Haus meiner Großeltern würde sich losreißen und mich zerfleischen, deswegen habe ich keinen Favoritenteddy - und wenn ich einen hätte, so würde ich ihn samt Alpträumen meinem schlimmsten Feind überlassen.Ich habe meinen Teddy Limbus vor vielen Jahren meinem ältesten Sohn geschenkt, und nachdem der Nikolaus den gerupften, zerschmusten und mit Heftpflastern an den Pfoten nur notdürftig zusammengeflickten Bären eines Jahres abholte und der Weihnachtsmann ihn drei Wochen später wie neugeboren wiederbrachte, hat ihn später auch noch sein jüngerer Bruder geerbt. Sollte mein jüngerer Sohn ihn eines (vermutlich sehr nahen) Tages nicht mehr in seinem Zimmer dulden, werde ich Limbus wieder an mich nehmen und entweder bei mir behalten, bis ich alt und dement bin, oder - das wäre natürlich die mir liebere Variante - irgendwann mal einem Enkelkind schenken. 

 

    
Vier Fragen an:

Mischa BachSusanne MischkeTomke SchrieverBernd Flessner 
Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Glaub ich nicht. Der Möglichkeit, "nebenbei" Rache - und verwandte Gelüste in der Arbeit wenigstens im Kopf auszuleben, steht zumindest bei mir ein nicht unerheblicher Drang zu künstlerischer Perfektion gegenüber. Und da geht es dann neben der Suche nach dem (fast) perfekten Verbrechen um die nach dem bestmöglichen Ausdruck für seelische und andere Extremzustände ... nee, das macht mich nicht wirklich ausgeglichener, fürchte ich.Ich glaube nicht. Jedenfalls beobachte ich es nicht an mir selbst. Klar, außer wenn der Haarschnitt sich als Katastophe entpuppt, die Muse auf ein Schwätzchen im Nirwana weilt, die Gas-Rechnung kommt, die Kinder mit dem frischen Führerschein das Auto ausleihen ...Ich glaube, nicht. Aber fantasievoller auf jeden Fall! 
 
Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?
Kommt ganz darauf an, wer wie stirbt und welche Wirkung ich beabsichtige. Bei den Drehbüchern fand ich's früher immer schrecklich, weil ich da immer wieder gezwungen war, Figuren sterben zu lassen, die mir besonders ans Herz gewachsen waren -- und zwar genau deshalb, weil diese emotionale Bindung hoffentlich auch für den Zuschauer bestehen sollte, so dass dieser Tod dann eine größtmögliche emotionale Wirkung für ihn hat. Das kommt darauf an. Wenn das Opfer ein Ekel war, dann eine tiefe Befriedigung, wenn nicht, eher Bedauern. Ganz wie im richtigen Leben ...Vergnügen, wenn es gut rüberkommt. In seltenen Fällen muss das Kleenex her.Nichts, denn andere Dinge stehen im Vordergrund, nämlich die Dramaturgie, die Plausibilität, die Atmosphäre, der letzte Dialog etc. Das Handwerk überschattet mögliche Emotionen.
Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Jein. Es gibt sie, aber sie sind für jeden Text andere - und sie zu finden, gehört für mich unabdingbar zum Schreibprozess.Milchkaffee auf dem Schreibtisch, und unter dem Schreibtisch Hunde, die ihrer Flatulenz freien Lauf lassen..SchokocappuccinoLeider kann ich da nur Klischees bieten, aber ich stehe dazu: viel Kaffee (Espresso), ab und zu ein Glas Rotwein (Dornfelder, Pinot Noir), möglichst abends / nachts oder am Wochenende schreiben, keinen Anruf entgegennehmen.  
In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Niemals an niemand.Vielleicht, um einen Gartenhäcksler zu testen? Nein, ehrlich, ich verabscheue Teddys. Fast so sehr wie Puppen. Ich habe keinen Teddy. Nur in einer Notlage, an Frau oder Tochter.

 

    
Vier Fragen an:

Uwe FrieselHannes NygaardRegine KölpinKai Engelke
Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Nein. Sie werden noch im Schlaf von ihren Fällen verfolgt, die in Wahrheit nicht zu lösen sind. Ich glaube, Krimischreiber sind Menschen wie alle anderen auch. Es gibt in der Zunft der Schreiberlinge ausgeglichene und auch hektische und nervöse Kollegen.
Ich glaube, dass jeder Mensch ausgeglichen ist, der seine Kreativität ausleben kann und darf.Na klar sind sie das! Ihnen ist keine Gemeinheit fremd, jeder noch so tiefe menschliche Abgrund ist ihnen vertraut. Sie haben (fast) alles schon einmal erlebt. Wovor sollten sie sich also fürchten? Und außerdem: kommt einem Krimischreiber ein fieser Zeitgenosse in die Quere, zum Beispiel jemand, der ihm falsche Honorare verspricht - na, dann bringt er ihn halt um! Fertig, erledigt!
Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?
Genugtuung, wenn mein Ex-Kriminalrat Blankenhorn dem Mörder zuvorkommt, so dass der statt seines Opfers ins Gras beißen muss. Trauer, wenn eine lang befreundete Kollegin das Opfer ist, wie in meinem letzten Roman "Goldaugenmusik".
Jede "böse Tat", die ich beschreibe, ist reine Fiktion. Für mich ist das Schreiben die schönste Berufung, die ich mir vorstellen kann. Die Schilderung eines Mordes stellt keinen herausragenden emotionalen Höhepunkt dar. Es bewegt mich aber sehr, wenn ich von Gewalttaten im realen Leben höre.
Es ist oft ein schmerzhafter Prozess, vor allem, wenn einem die Figur sehr nah gekommen ist.Das kommt immer auf das Opfer an: ist es eine vertraute, vielleicht sogar liebenswerte Person, dann ist es eine zutiefst traurige Angelegenheit. Weil in längeren Geschichten/ Romanen die handelnden Personen ein Eigenleben entwickeln, ist es, als verliere man einen Freund oder einen nahen Angehörigen. Handelt es sich jedoch um einen fiesen Zeitgenossen, sozusagen um ein Ekelpaket, dann kann der Krimischreiber schon mal so etwas wie Erleichterung oder Genugtuung empfinden.
Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Ja. Schwarzen Tee mit Kirschen trinken und das Internet verfluchen, weil es wieder streikt. Ja. Zum Schreiben gehören für mich Ruhe und der Tee am Schreibtisch .Ein warmes Zimmer, leise Musik, einen Becher Tee oder Latte Macchiato … dann läuft es.Zuerst einmal unbegrenzte Zeit. Steht ein Termin in ein paar Stunden an, dann ist es nix mit dem künstlerischen Schreiben. Die Tür des Arbeitszimmers muss geschlossen sein, es darf niemand etwas von mir wollen, Das Telefon weit weg, damit ich es nicht klingeln höre. Telefone können Terrorinstrumente sein. Kaffee gehört dazu, später – wenn das Kapitel sich rundet – auch schon mal ein Glas Rotwein. Früher unbedingt die Tabakspfeife, aber ich rauche ja nicht mehr. Ich habe mir vorgenommen, mit siebzig wieder mit dem Rauchen zu beginnen – man braucht ja Ziele im Leben. Und vielleicht werden dann meine Geschichten auch wieder besser…
In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Meiner war knapp handtellergroß. Er hatte nur noch drei Beine und ein Auge, nachdem er von einem Nachbarskind mit dem Dreirad überfahren worden war. Mehrmals. Absichtlich. Da habe ich ihn, als keiner zusah, begraben. Meinen LIeblingsteddy, wenn ich einen hätte, würde ich jeder netten Dame zwischen achtzehn und einhundertzwanzig geben, wenn Sie mich in einem charmanten Gespräch darum bitten würde. Und natürlich meiner Enkelin. Wirklich traurige Kinderaugen würden genügen …Wenn mein einziger Teddy, der zugleich auch mein Lieblingsteddy war, noch leben würde, würde ich ihn niemals weggeben. Er ist – glaube ich – bei irgendeinem Umzug weggegangen und nie mehr wiedergekommen. Wahrscheinlich, weil ich ihn damals oft zu schlecht behandelte. Ich habe ihn um Beispiel bei Zirkusdressuren mit einer Peitsche geschlagen. Das hätte ich nicht tun dürfen. Nun habe ich nur noch meinen kleinen Affen (ca. 60 Jahre alt), aber auch den gebe ich nicht weg.Was ist das überhaupt für ´ne Frage, und weshalb lasse ich mich auf so einen Quatsch ein?

 

    
Vier Fragen an:

Tatjana KruseKlaus NührigGunter GerlachChris Marten
Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Ab-so-lut! Wir toben unsere Aggressionen auf dem Papier aus, das macht uns im realen Leben zu flauschigen pflegeleichten Lämmern.Vielleicht ja, weil sie Probleme lösen und herausbekommen, wer schuld ist. Krimischreiber sind nervöser, haben röchelnden Atem, einen Buckel, O-Beine und Krallen an den Füßen, weiß doch jeder.

Birgit Biehl: Oh ja, sie verlagern nachts all ihr Konfliktpotenzial in Texte ...

Herbert Knorr: Ich kann das nur für mich sagen: Da ich mir Gewaltphantasien von der Seele schreiben kann, brause ich kaum auf, wenn mich mal etwas ärgert.

Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?
Ich denke "bravo, erledigt" und braue mir erstmal eine schöne Tasse Tee zur Belohnung.Niemals Genugtuung, selbst wenn es der Mörder ist. Immer auch Bedrückung und den Wunsch, es hätte anders laufen können. Dann schmecke ich Blut auf der Zunge und rieche Schwefeldampf.

Biehl: Zufriedenheit und Heiterkeit, wenn es gelungen ist, mit Tinte ein originelles Verbrechen zu begehen ...

Knorr: Gar nichts. Zumindest keinen Hass, keine Trauer, keine Freude, keine Häme. Zum Glück, denn die Identifikation darf nicht zu weit gehen. Aber: Wenn die Szene gelungen ist, dann ist da ein großes ästhetisches (!) Wohlbehagen.

Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Das, was ich bereits geschrieben habe, noch einmal lesen, bevor ich weiterschreibe. Daran anknüpfen, es korrigieren und weiterdenken. Kurz vorher ritze ich mit dem Messer biblische Symbole in fremde Bäuche.

Biehl: Unbedingt, aber wenn ich die verraten würde, würde man an meinem Verstand zweifeln ...

Knorr: Nein, außer Kaffee dazu morgens und nachts ein, zwei Bier.

In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Hände weg von meinem Teddy!!! (Das sage ich auch meinem Lebenspartner. Mein Teddy gehört mir - da gibt es keine Ausnahmen! Niemals für niemand!)Einen Teddy habe ich nicht mehr. Wernn doch, dann würde ich ihn dem reichen, der Trost benötigt. Nur wenn ich ihn als Knebel brauche. Dann bekomme ich ihn anschließend immer eingespeichelt zurück.

Biehl: NIE! Nicht einmal dem Mörder mit gezogener Pistole in meinen Texten ...

Knorr: Ich habe keinen. Auch nie gehabt. Ich will auch keinen. Und wenn mir jemand einen aufdrängen würde, würde ich eine grausame Todesart für ihn erfinden.

 

    
Vier Fragen an:

Jan SchröterChristiane FrankeLübbert R. HaneborgerKlaus-Peter Wolf
Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Nur nach dem ersten Millionen-Bestseller. Stelle ich mir jedenfalls so vor.
Ja. Ganz klar. Denn Krimischreiber können sämtliche Agressionen gegen den ständig am Wochenende im Garten laut arbeitenden Nachbarn, den ungerechten Lehrer der Tochter, de nervigen Chef und viele andere mehr auf dem Papier ausleben. Krimischreiben ist also reine Seelentherapie.
Auszuschließen ist es nicht. Schreiben ist ja generell eine Form der Auseinandersetzung mit der äußeren und inneren Welt.

Nein, natürlich nicht. Sie sind eher Paranoiker, wittern hinter jedem Baum einen Bösewicht und sehen in jedem harmlosen Gegenstand die mögliche Mordwaffe.

Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?
Schon okay. Ich wollte es ja so.
Es kommt darauf an, aus welchen Gründen er/sie sterben muss. Manchmal tut mir die Figur leid. Manchmal empfinde ich Genugtuung, weil er/sie es einfach verdient hat.
Die Frage kann ich nicht beantworten. In meinen bisherigen Krimis stirbt niemand, weil sie sich an Kinder ab 10 Jahren wenden.
Aber gerade darin liegt m.E. auch eine große kreative Herausforderung.

Als Kriminalschriftsteller muss ich in die verschiedenen Perspektiven. Aus der Perspektive des Opfers fühlt es sich natürlich anders an als aus der Perspektive des Täters oder der ermittelnden Kommissarin. Aus Tätersicht empfinde ich oft triumphale Genugtuung, ja manchmal Befreiung. Aus Sicht des Opfers Erschrecken, Panik und Angst. Und manchmal dieses: „Dachte ichs mir doch“.
Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Kein einziges.
Nein.
Ein Notizbuch und zahlreiche kleine Zettel speichern die Ideen für neue Projekte, solange bis sie reif sind für den Computer.
Ja. Ich schraube meinen Füllfederhalter auf.
In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Ich habe keinen Lieblingsteddy, ich habe eine Freundin. Und die gebe ich nicht weg.
Mein Lieblingsteddy ist ein weicher Knuddelelefant. Ich würde ihn nur einer Person geben, die zutiefst traurig ist und mir sehr viel bedeutet; also meinen Kindern oder meinem Partner. Meiner Schwester auch noch. Aber sonst keinem. Lieblingsteddy - etwa der, mit den eingenähten Diamanten? Wenn es für eine gute Sache ist sofort. Dann wird die Person, der ich sie gebe, auch die richtige sein.
Traue nie einem Typen, der seinen Lieblingsteddy weggibt…

 

    
Vier Fragen an:

Norbert HorstBarbara WendelkenUlrich HefnerPeter Gerdes
Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Man könnte meinen, das wäre so, wenn man all seine Aggressionen auf eine Figur projiziert und die dann umbringen kann. Wenn ich aber mit einem
Manuskript im Verzug bin, mir nichts einfällt, ich deshalb nachts wach werde, über Wochen unausgeschlafen bin, morgens rumnörgele, allen auf den Senkel gehe, habe ich nicht das Gefühl, dass das so ist.
Nein, das glaube ich nicht.

Ich denke überhaupt, dass das Schreiben ein mögliches Mittel ist, um Dinge (Erlebnisse aber auch Enttäuschungen) zu verarbeiten. Vor allem das Eintauchen in die geschaffenen Welten, das Agieren im eigenen Mikrokosmos, schafft für mich eine Befreiung und auch Relativierung des  Alltags. Insofern betrachtet, wurde ich die Frage bejahen, aber nicht nur auf den Krimischreiber beschränken.

Krimis schreiben ist echte Arbeit. Ideen haben und später den eigenen Text gut finden, das macht ausgeglichen. Der eigentliche Schreibprozess ist anstrengende Arbeit und macht eher reizbar. Von wegen Triebabfuhr!

Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?
Kommt drauf an, wie nah mir die Figur bis zum Zeitpunkt ihres Todes
gekomnen ist, für mich ist schon wichtig, emotional in die beschriebene Situation einzutauche. Hinterher überwiegen eher Gedanken, die sich auf schriftstellerische Aspekte beziehen
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal Genugtuung, manchmal auch einen Anflug von schlechtem Gewissen.

Es lebe die Dramaturgie, dafür muss man selbst auch Opfer bringen. Deswegen sind Personen der Handlung untergeordnet und müssen eben manchmal auch "gehen", selbst wenn man sie lieb gewonnen hat.

Erschreckend wenig. Die von mir erdachte Handlung hat Konsequenzen - und die werden gezogen. Zwangsläufig.

Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Ja, einige. Ich schreibe sehr gerne an bestimmten Plätzen. Bei einigen Szenen sehe ich mir vorher auf Youtube bestimmte Musik oder aber
Lieblingsszenen aus Filmen an, das ist entspannend und sehr
inspirierend. Am besten schreibe ich sehr früh morgens, wenn der Rest noch schläft.
Ich brauche Ruhe, Ruhe, Ruhe. Und niemanden, der mir über die Schulter guckt, das hasse ich!

Eigentlich nicht. Es kommt nur vor - wenn man nicht in die Geschichte findet - , dass Videosequenzen oder Fotos von den Schauplätzen der Handlung über meinen Bildschirm flattern, um das "Feeling" für die Geschichte wieder aufzunehmen, damit es mit dem Schreiben des Manuskripts weitergehen kann. Und wenn ein Kapitel beendet ist (und der Kopf leer), dann hilft oft ein unterhaltsames Computerspiel wie z.B. Die Siedler von Catan oder "Würfeln", bevor es wieder weitergeht.Am liebsten schreib ich morgens, gut ausgeruht und mit einem Becher Tee neben dem PC. Da ich mir diesen Luxus aber nicht immer leisten kann, schreibe ich halt immer dann, wenn gerade Zeit ist. Ritualfrei.
In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Ich habe noch nie, auch nicht als Kind, einen Teddy besessen.
Mein Lieblingsteddy ist eine Puppe, Sabine, und die gebe ich nicht her. Naja, vielleicht vererbe ich sie mal, damit jemand ein besonderes Andenken an mich hat. Nur zum Abschied von dieser Welt - und dann nur an meine Frau und meine Kinder, denn dort wäre er gut aufgehoben.
Jederzeit. Und jedem. Aber es gibt da seit Jahrzehnten nichts mehr wegzugeben. Keine Ahnung, wo das zerfledderte Viech geblieben ist. Sorry, Teddy.

 

    
Vier Fragen an:

Andreas ScheepkerBarbara WendelkenManfred C. Schmidt

Hardy Pundt

Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Ich persönlich fühle mich durch das Schreiben sehr viel ausgeglichener, weil ich eine gewisse Überproduktion an Phantasie habe. Nein, das glaube ich nicht.

Es gibt sicherlich Momente beim Schreiben, in denen man seine Aggressionen (Anspannungen) loswird: So kann zum Seispiel der kläffende Köter des Nachbarn, der mit gefletschten Zähnen auf unvorbereitete Mitmenschen losgeht, Opfer eines zu schnell durch die Siedlung fahrenden Halbbstarken werden. Oder nervende Zeitgenossen, denen man schon immer etwas zürückzahlen wollte, können "ent- bzw. verfremdet" um die Ecke gebracht werden; wird immer wieder gerne genommen. Somit hat das Krimischreiben hin und wieder eine therapeutische Funktion, die für gewissen Ausgleich sorgt. Andere Menschen hingegen versuchen ihre Spannungen durch Sport, Extrempuzzeln oder das Überziehen von Mitmenschen mit Strafanzeigen abzubauen. Ob Krimischreiber also ausgeglichener sind, läßt sich pauschal nicht feststellen, sondern muss im Einzelfall geprüft werden. Bei mir trifft es nicht zu, dazu gibt es zu viele Probleme in der realen Welt.
Wäre schön, ich fürchte aber, dass es nicht so ist.
Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?
Diesen Moment habe ich erst einmal beschrieben - und auch das nur sehr vordergründig. Da ich in meinem Beruf oft mit Trauersituationen zu tun habe, vermeide ich in meinen Büchern, das Sterben direkt darzustellen. Das ist vielleicht inkonsequent - aber diese Inkonsequenz erlaube ich mir. Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal Genugtuung, manchmal auch einen Anflug von schlechtem Gewissen.

Nichts, denn es hat mit der Realität nichts zu tun.
Tut mir leid, aber es muss so sein - sonst funktioniert der Krimi nicht.
Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Nur wenige. Ich schreibe immer an meinem uralten Computer oben. Der hat keine Internet-Verbindung. Und wenn ich den Text dann weitermailen will, muss ich ihn erst auf einer Diskette und dann von da aus im neuen PC speichern. Das ist unpraktisch, aber an dem alten PC schreibe ich nun mal am liebsten. Ich brauche Ruhe, Ruhe, Ruhe. Und niemanden, der mir über die Schulter guckt, das hasse ich!

Ein Ritual gibt es im engeren Sinne bei mir nicht. (Häufig schreibe ich allerdings meine ersten Entwürfe mit geklauten Ikea-Bleistiften, was sicherlich ein Hinweis auf meine kleinkriminelle Energie ist.)  Ansonsten benötige ich aber ein aufgeräumtes Umfeld, was sowohl meinen Schreibtisch, der oft aussieht, als hätte er einen "Bombentreffer" bekommen, als auch meine psychische Verfassung einschließt.
Een lekker Koppke Tee näben mi.
In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Als ich 15 Jahre alt war, verschenkten meine Eltern meine Spielsachen an eine wohltätige Organisation. Darunter war auch mein alter Lieblingsteddy. Ich hoffe, er hat es gut angetroffen. Hätte ich ihn noch, würde ich ihn vielleicht meinem Sohn schenken (7 Jahre). Vielleicht ... Mein Lieblingsteddy ist eine Puppe, Sabine, und die gebe ich nicht her. Naja, vielleicht vererbe ich sie mal, damit jemand ein besonderes Andenken an mich hat.
Einen Lieblingsteddy habe ich nie gehabt, kann ihn demzufolge auch nicht weggeben. Mein schweizer Taschenmesser ist mir allerdings lieb und teuer; das würde ich im Notfall zum Öffnen einer guten Flasche Rotwein kurzzeitig ausleihen. Wem? Jedem, der etwas vom Rotwein abgibt. Es kann nur einen geben - und den gibt man nicht weg!
     
 Jan Costin Wagner   
Sind Krimischreiber ausgeglichener als andere Menschen?Ich habe tatsächlich einige ausgeglichene Autoren kennengelernt - aber wer weiß, was unter der Oberfläche gärt.    
Was fühlen Sie in dem Moment, wenn Sie jemanden in Ihren Krimis sterben
lassen?

    
Gibt es Rituale, die für Sie untrennbar mit dem Schreiben verbunden sind?Ich höre während des Schreibens häufig Musik, die das Grundgefühl der Szene spiegelt.   
In welcher Situation würden Sie Ihren Lieblingsteddy weggeben? Und wem?Mein Lieblingsteddy aus der Kindheit ist ein Affe - und er verbringt im Moment mehr Zeit mit meiner 5-jährigen Tochter als mit mir.